Unersetzliche Eltern

Bei der Vorstellung der Expertise „Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien“ in Berlin am 17.1.2017 forderte der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, J. W. Rörig, die Politik dringlich auf, endlich die sozialen Netzwerke dazu zu verpflichten, geschützte Nutzungsräume für Kinder und Jugendliche zu schaffen, in denen diese sicher seien vor den Nachstellungen pädophiler Erwachsener. Zusätzlich sollten sie Beratungs- und Hilfsangebote gut sichtbar auf ihren Seiten einstellen und künftig eingehende Hinweise an die Strafverfolgungsbehörden weiterleiten. Die Psychologin und Geschäftsführerin des Vereins „Innocence in Danger“ , erklärte sogar, mit der geplanten digitalen Bildungsstrategie für die Schulen „steure man sehenden Auges in die Katastrophe“, wenn Kinder und Jugendliche im Internet nicht besser geschützt würden. Was steckt hinter diesem dramatischen Weckruf an die Politik?

Allein in Deutschland haben etwa 728 000 einschlägig interessierte Erwachsene Onlinekontakte zu Kindern. Sie geben sich häufig als Gleichaltrige aus, locken mit Geschenken und konfrontieren ihre Opfer bewusst mit pornographischen Abbildungen, um sie so für reale Begegnungen mit sexuellen Kontakten vorzubereiten. Wie groß die Gefahr digitaler Kontaktaufnahme ist, zeigen die folgenden Zahlen: schon 39 % der sechs- bis sieben Jährigen, 76% der der acht bis neun Jährigen und 94% der zehn bis elfjährigen Kinder sind regelmäßig online. Neben der Gefahr sexuellen Missbrauchs droht natürlich auch der freie Zugang zu „normaler“ Pornographie, die das Innenleben von Kindern und Jugendlichen ver-, ja ihre Liebesfähigkeit zerstören kann. Was können Eltern dagegen tun? Nicht rigorose Verbote oder das Verteufeln digitaler Medien seien hilfreich. Die Fachstelle Return-Mediensucht (www.return-mediensucht.de) und die Initiative Safer-Surfen (www.saferinternet.at, bzw. www.safersurfing.eu/shop) geben Kindern und Eltern gute Tipps und Tricks für eine sichere Internetnutzung . Der beste Schutz aber für Kinder und Jugendliche, so die Experten, die die oben genannte Expertise vorstellten, sind Eltern, die ihren Kindern zuhören und sich Zeit für sie nehmen. Ich füge hinzu: Und Eltern, die ihren Kindern von klein auf die Schönheit des Zusammenhangs von Liebe, Treue und Sexualität erklären und vorleben.

Themenabend am 29.11.16 „Familienpolitik heute… Fluch oder Segen“ mit Birgit Kelle

Birgit Kelle
© Birgit Kelle

 

 

Wir haben einen faktenreichen Vortrag gehört, der Einsichten in die Beurteilung der derzeitigen Familienpolitik aus Sicht einer vierfachen Mutter und kompetenten Journalistin gab:

 

Ist-Zustand

 

Obwohl derzeit noch ca. 70% aller Kinder in Familien aufwachsen, ist das Lebensmodell der traditionellen Familie dennoch stark im Rückzug begriffen. Gemeinsame Familienzeit, wenn überhaupt vorhanden, lässt sich lt. Statistik nur noch in Minuten messen. Birgit Kelle stellt die provokante Frage:

 

Stirbt die traditionelle Familie aus bzw. müssen wir dieses Ideal aufgeben?

 

Faktoren der Veränderung:

  • ökonomischer und zeitökonomischer Druck durch Doppelverdienermodelle
  • steigende Zahl von Alleinerziehenden
  • Pluralismus von Lebensmodellen
  • Mehrkindfamilien sind im Rückzug, keine Zeit, kein Geld für Kinder

Die Erwartungshaltung an die Frau, möglichst schnell nach der Geburt von Kindern wieder zu arbeiten, verändert die Lebenswelt von Familien am stärksten und speist sich im Wesentlichen aus drei Kräften:

  • demographischer Wandel (Zusammenbruch der Sozialsysteme)
  • Fachkräftemangel (Senkung von Lohnkosten)
  • gesellschaftliche Veränderungen (hohe Scheidungsraten, Geschlechterautonomie)

In diesem Zusammenhang ist in den letzten zwei Jahrzehnten ein Paradigmenwechsel in der Familienpolitik erfolgt, der diesen Wandel begleitet und verstärkt:

  • keine Förderung von Familien sondern von Einzelpersonen
  • höhere Frauenerwerbsquote politisch erwünscht
  • höhere Geburtenrate angestrebt durch flächendeckende Betreuungsangebote
  • Anreize für Doppelverdiener, Abstrafung für Eltern, die selbst betreuen
  • Social engeneering: Vater Staat statt Elternhaus, Erziehungsverantwortung vermehrt in öffentlicher Hand
  • Die Familie wird in ein Dienstleistungsverhältnis umgewandelt
  • wer zuhause bleibt, leistet familiäre „Schwarzarbeit“, fehlt bei weiblicher Erwerbsarbeit
  • Schaffung von möglichst vielen Haushaltsdienstleistungen, Staat als Wirtschaftsakteur / Care-Arbeit
  • Nachteiliges Unterhaltsrecht für Frauen: Männer tragen weniger Verantwortung, Frauen werden in die „nacheheliche Eigenverantwortung“ geschickt

Problem Armutsfalle:

  • Kinderreiche Familien und alleinerziehende Frauen sowie deren Kinder fallen in der Regel in Armut. Die Besteuerung benachteiligt Familien ab dem dritten Kind.
  • Ungerechtes Rentensystem. 1/3 der Frauen bekommt keine Kinder. Diese Frauen können gute Renten erarbeiten. Wer Kinder großzieht, fällt dagegen in ein Armutsrisiko. Wer sie allein großzieht erst recht.
  • Familienfreundliche Urteile des Bundesverfassungsgerichtes wurden nicht umgesetzt.
  • Familienförderung findet nur scheinbar statt: das Kindergeld ist keine Förderleistung, sondern besteht im Wesentlichen aus der Rückzahlung zuviel bezahlter Steuern.
  • Von 200 Mrd. Fördergeldern kommt nur rd. ein Viertel tatsächlich bei Familien an.

FAZIT: Früher bekam man Kinder, um eine gute Alterssicherung zu haben, heute bekommt man keine, um eine gute Rente zu haben.

Problem/Krippenbetreuung:

  • Keine Korrelation zwischen hohen Betreuungszahlen und höheren Geburtenraten (Beispiel Thüringen, 90% Betreuungsquote)
  • Hoher Krankenstand der unter Vierjährigen: 100% Anstieg psychischer Erkrankungen lt. Statistiken der Krankenkassen
  • Keine Wahlfreiheit für Eltern, die ihre kleinen Kinder selbst erziehen wollen, faktisch „Krippenpflicht“

Forderung nach neuen Weichen in der Familienpolitik:

  • Berufstätigkeit und Kindererziehung nacheinander, nicht nebeneinander (in den ersten drei Jahren des Kindes),
  • danach mehr Teilzeitarbeit ermöglichen, weniger Vollzeitarbeit forcieren
  • Grundsätzlich anderes Rentenmodell: Kinder als Einzahlfaktor berücksichtigen
  • Mehr Steuergerechtigkeit durch Familienlastenausgleich, Umverteilung zwischen Kinderlosen, Kinderreichen und Kinderarmen Familien.
  • Steuergerechtigkeit auch bei Verbrauchersteuern
  • Familiensplitting
  • Mehr Wahlfreiheit und Förderung bei allen Betreuungssystemen (Tagesmutter, Kita, elterliche Erziehung)
  • Keine Stigmatisierung des Mutterseins
  • Freihalten von Arbeitsplatz mindestens drei Jahre und flexible Wiedereinstiegsmodelle

Blick ins Ausland:

Bemerkenswert ist hier die Aussage, dass es länderbezogen eher unterschiedliche kulturelle Parameter sind, die die Entscheidung zum Kind beeinflussen:

Amerika
Schlechteres Betreuungsangebot, dennoch viele Kinder, da diese als Wohlstands- und Statussymbol betrachtet werden.

Frankreich
Nicht nur wegen der Betreuungsangebote bessere Geburtenrate, dort auch Absenkung, aber von höherem Niveau, außerdem mehr Wahlfreiheit, mehr Tagesmütterangebote und ab dem 3. Kind zahlen Familien keine Steuern mehr.

Norwegen:
Hohe Geburtenrate 2,0, wahlweise Betreuungsgeld bei Nichtinanspruchnahme von Krippenplätzen.

Schweden
Beste Sozialsysteme, aber hohe Depressionsrate von Müttern und Kindern, jeder heiratet durchschnittlich dreimal, schlechte Familienstrukturen, man stirbt allein.

Einig war man sich am Ende nach Betrachtung aller ökonomischen Faktoren, daß die Entscheidung für das Kind und für Familie eine von Liebe getragene sein sollte und zum Glück meist emotional getroffen wird. Damit diese Entscheidung nicht zur Falle wird, sollten wir für gute politische Rahmenbedingungen kämpfen, mit Mut, Klugheit und dem unideologischen Blick auf die Fakten.

 

Buchempfehlungen:

Sozialstaats-Dämmerung von Jürgen Borchert, Riemann-Verlag, ISBN: 9783570501603

Gesellschaft ohne Kinder. Woran die neue Familienpolitik scheitert, Von Stefan Fuchs. Springer Verlag

Liebe im Netz -Jugend, Beziehungen und Sexualität in Zeiten der digitalen Flatrate

26.10.2016 Elternforum des Elternvereins NRW in Cooperation mit wertevollwachsen

Tabea Freitag, Dipl.-Psychologin und Co-Leiterin der Fachstelle Mediensucht „return“ in Hannover hat uns ein spannendes und teilweise sehr ernüchterndes Bild über den aktuellen Internetkonsum der Kinder und Jugendlichen gezeigt. Der Medienkonsum von Kindern ist drastisch und stetig in den letzten Jahren gestiegen. Aber nicht nur die Quantität an Medien, sondern auch die Inhalte von Chats und Videos und die Dauer von Computerspielen sind meistens nicht dem Kindeswohl förderlich.

Kinder „verlieren“ sich oft im Netz und sind mit einer sehr großen Menge an Informationen, Themen und Bildern konfrontiert, die sie oft nicht verarbeiten können. Dieser problematische Internetgebrauch endet leider viel zu häufig in einer Internetsucht.

Jugendliche haben eine stärkere Suchtgefährdung als Erwachsene, denn bis zum 24. Lebensjahr entwickelt sich der Bereich des Gehirns noch, der für rationale Entscheidungsprozesse benötigt wird, während das Belohnungszentrum bereits sehr stark reagiert. Emotionen und Belohnung beeinflussen das Verhalten daher in der Pubertät stärker als im Erwachsenenalter.

Viel zu früh werden Kinder mit sexualisierten Videos und Bildern konfrontiert. Wenn ein Kind schamverletzende Bilder nicht einordnen kann, bringt das Probleme mit sich. Kinder ahnen, dass bestimmte Inhalte nicht unbedingt ihrem Alter entsprechen; aber die Faszination der Bilder und vor allem die Einfachheit, sexuelle Handlungen mit ansehen zu können und davon erregt zu werden, erhöhen die Attraktion eines heimlichen Pornokonsums.

So lernen Kinder und Jugendliche ein falsches Bild von Sexualität, in dem persönliche Wertschätzung und liebevolle Bindung nicht vorkommen. Denn Pornografie reduziert die Sexualität auf Lust und Spaß, was zwangsläufig bedeutet, dass Verantwortung, Verbundenheit und Einfühlungsvermögen sehr stark in den Hintergrund gedrängt werden. Manche junge Menschen geraten in einen belastenden Zwiespalt. Einerseits verlockt sie die pornografische Darstellung, anderseits lehnt ihr Gewissen anfangs ein solches Verhalten ab. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene jedoch gilt: Was online gelernt wird, wird dann auch offline praktiziert. Dabei spielen demütigende und schmerzhafte Praktiken und das vermittelte Frauenbild der Pornoindustrie eine wichtige Rolle. Frauen werden als jederzeit verfügbar und als Sexobjekte dargestellt. So werden junge Männer auf eine narzisstische, frauenverachtende Befriedigung konditioniert und junge Frauen, ja auch Mädchen, oft dazu getrieben, es ihnen sexuell recht zu machen, indem sie sich Erniedrigungen gefallen lassen.

Eltern sollten einfühlsam und mit Rücksicht auf Schamgrenzen mit ihren Kindern immer wieder über Sexualität reden. Kinder müssen lernen, dass sich dauerhaft positiv erlebte Sexualität nur zusammen mit menschlicher Bindung erfahren lässt und hierfür persönliche Reife Voraussetzung ist. Gleichzeitig sollten Kinder und Jugendliche so weit und so lange wie möglich von hohem Medienkonsum und dem Zugang zu Pornografie abgehalten werden, damit sie dieser nicht verfallen. Je später die jungen Menschen ein internetfähiges Handy bekommen, desto besser. Die Verfügbarkeit von Bildschirmmedien in Bezug auf die zeitliche Nutzung, die Inhalte und die Geräteausstattung muss dem psychosozialen Reifegrad und dem Maß an Eigenverantwortlichkeit der Heranwachsenden kontinuierlich angepasst werden. Elterliche Konsequenz und Durchhaltevermögen lohnt sich, auch wenn „angeblich“ alle Altersgenossen schon eines haben.

 

fullsizerender-13Eine gesunde Sexualität braucht bewusste Bindung und auch Grenzen. Aber auch Zeit. Heranwachsende brauchen Orientierung und Gespräche mit Erwachsenen, die sie über Liebe und Sexualität, aber auch über die Folgen von Pornokonsum aufklären. „Fit for Love?“ ein Praxisbuch für eine bindungsorientierte Sexualpädagogik und zur Prävention von Pornokonsum für Schule und Jugendarbeit vermittelt auf anschauliche und nicht schamverletzende Weise die Bedeutung von Liebe und Sexualität im Sinnzusammenhang einer vertrauensvollen Paarbindung, z.B. durch Bilder vom inneren Garten (für Identität und Intimität), vom Feuer oder Fallschirmspringen. Die vielfältigen Anregungen zum Gespräch und Informationen zur Wirkung von Pornografie können auch von Eltern und anderen Bezugspersonen genutzt werden.

 

Unsere Rolle als Eltern ist und bleibt es, Vorbilder zu sein und die ersten Ansprechpartner in allen Lebensfragen. Das Gespräch in Liebe und Geduld mit unseren Kindern zu suchen, ist unsere große Aufgabe und Herausforderung!

www.return-mediensucht.de

www.fit-for-love.org

 

 

 

wew beim NRW Tag

Wir haben uns gefreut, dass die Stadt Düsseldorf uns die Gelegenheit gegeben hat, unseren noch jungen Verein im Bereich ‚Initiativen’ auf den Oberkasseler Rheinwiesen vorstellen zu dürfen. Dort haben wir nicht nur die Gelegenheit gehabt, viele Familien mit Ihren Kindern kennenzulernen, sondern wir konnten uns auch mit Mitarbeitern anderer Initiativen austauschen wie z.B. dem Friedensdorf International oder Unicef und wertvolle Impulse für unsere Arbeit bekommen.

Dem Wunsch der Stadt, nicht nur Flyer zu verteilen, sondern auch Aktivitäten anzubieten, sind wir sehr gerne nachgekommen.

Der Renner war ein Wurfspiel, bei dem Grosse und Kleine ihre Fähigkeiten ausprobieren konnten. Unsere jungen Helfer haben sich toll um die kleinen Gäste bemüht und jeden kindlichen Einsatz, sei es beim Reissackwerfen oder an der Weltkarte, mit einem Lesezeichen plus Goldtaler belohnt.

Uns hat das die Chance gegeben in der Zeit Gespräche mit Müttern, Vätern, Großeltern und anderen Interessenten, z.B. Lehrern zu führen. Die folgende Geschichte, die sehr gut die Philosophie unserer Bücher wiedergibt, war auf einer Wand unseres Zeltes aufgedruckt und hat viele so Leser berührt, dass sie uns „Ihre“ persönliche Geschichte erzählt haben, ein Ansporn für uns, die Übersetzung und Einführung weitere Bände möglichst schnell voranzutreiben…….

Text Edison NRW-Tag

NRW Tag WeW (Jpeg)

Themenabend am 20.06.2016 „Cool sein um jeden Preis?“ von Unmut bis Herzklopfen…Gefühle sind unverzichtbat auf dem Weg zur Reife

Der Abend hat ein wichtiges, aber weitgehend vernachlässigtes Thema ausführlich beleuchtet: Gefühle wie Wut, Aggression oder Frust unserer Kinder fordern uns täglich heraus. Wie gehen wir angemessen damit um?

Maria E. Schmidt forderte in einem rund zweistündigen Vortrag die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer für ungewöhnliche Einsichten in das natürliche kindliche Entwicklungsprogramm. Sie lud dazu ein, unser Verständnis zu verstärken, intuitiv zu erziehen und dabei die Mechanismen der Natur zu erkennen, einer Erziehungskultur, die im Dschungel der Erziehungsratgeber etwas verlorengegangen ist.

Maria Schmidt ist das Thema in zwei Phasen angegangen und referierte zunächst über die wissenschaftlichen Grundlagen für die Beurteilung der Emotionen und erläuterte die drei Schlüssel zur Reife. Im zweiten Teil gab sie Hilfestellung für den richtigen Umgang damit und erläuterte „Five Steps zur emotionalen Gesundheit und Reife“.

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Im Gesamtzusammenhang und anschließender Diskussion wurde die herausragende Bedeutung der Bindung und der Familie deutlich. Seit Generationen orientieren und binden Kinder sich instinktiv an die Menschen, die für sie sorgen, also in der Regel an die Eltern. Diese Bindung ist lebensnotwendig für die gesunde Entwicklung.

Heute erleben wir oft ein anderes Bild: Klare Bezugspersonen sind häufig nicht mehr verfügbar oder werden durch Handy und Fernsehen ersetzt. Stellvertretende Betreuungspersonen wie Lehrer, Erzieherinnen können diese Bindungslücke oft nicht erfüllen. So orientieren sich Kinder und Jugendliche häufig an Gleichaltrigen, die ebenso unreif und unerfahren sind wie sie. Dieser Mangel an nötiger Sicherheit und Geborgenheit, die Kinder zur Reifung brauchen, führt zu Unreife und fehlender Resilienz in widrigen Lebensumständen.

Das Gehirn von Kindern und Jugendlichen, die viele emotionale Verletzungen und Zurückweisungen zu erleiden hatten, reagiert ganz automatisch dagegen und „panzert“ sich, in dem die Emotionen zurückgeschaltet werden. Dadurch ist zunehmend ein Mangel an „weichen“ Gefühlen unter Kindern zu beobachten. Emotionen wie Mitgefühl, Empathie, Trauer, Verantwortlichkeit, Vertrauen und vor allem das Weinen von Tränen sind bei vielen Kindern und Jugendlichen wegen der emotionalen Defizite nicht mehr vorhanden. Diese Blockaden kann man nur mithilfe einer guten und positiven Bindung wieder lösen.

Geben wir Ihnen also einen liebevollen Ort der Geborgenheit, eine Zeit für Tränen und – ganz wichtig – einen Platz zum Spielen. Hier können sie sich selbst finden und ausdrücken und im folgenfreien Raum üben, was Mut, Kreativität, Geduld und Verantwortung bedeuten. Spielen ist keine Arbeit und nicht real, aber es ist eine Möglichkeit LEBEN zu lernen.

Der umfangreiche Vortrag von Maria E. Schmidt mit ausdifferenzierten Erklärungen kann unter ihrer Emailadresse maria.schmidt@herzensgipfel.org angefordert werden, aus Datenschutzgründen leider nur für Zuhörer, die am Vortragsabend als zahlende Gäste teilgenommen haben.

Februar: 3. Themenabend – Hauptsache online – Internet zwischen Faszination und Kontrollverlust

Hauptsache online – Internet zwischen Faszination und Kontrollverlust

wie lange darf sich mein Kind mit dem Handy, IPad oder PC beschäftigen+++wie erziehe ich richtig im Umgang mit den Medien+++ was ist erlaubt+++wann wo muss ich Grenzen setzen ?

3. Themenabend
Foto: © wertevollwachsen

Das sind häufige Fragen, die sich Eltern mit Kindern schon früh stellen. Dietrich Riesen, Erzieher, Jugendreferent und systemischer Berater und Therapeut i.A., tätig in der Beratung, Prävention und Fortbildung, hat für wew im Februar einen Vortrag zu diesem Thema gehalten. Er arbeitet in der Fachstelle Mediensucht „return“ in Hannover, bei der Kinder und Eltern Hilfe bekommen, um Medienabhängigkeit zu erkennen und zu bekämpfen.

Eine der ersten Fragen des Abends war, wie viele Bildschirme wir zuhause besitzen. Mit Erstaunen stellten wir fest, dass eine Hand nicht reicht um die richtige Zahl zu nennen. Fernsehen, Laptops, Tabletts, Handys, in unseren Haushalten gibt es genügend (oder zuviel?) davon. Kinder und Erwachsene lassen sich von der Faszination der Medien, der erstaunlichen Vielfalt des Internets, den neuen Apps und den Social Media „abholen“ und mitnehmen. Die letzten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der Internetkonsum von Kindern im Alter von 13 bis 17 Jahren durchschnittlich über 7.5 Stunden am Tag beträgt! Eine erschreckende Größenordnung! Es ist neu in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, dass Eltern bei einem Thema darauf angewiesen sind, Wissen bei ihren Kindern zu erfragen. Denn wenn es darum geht, Handys einzustellen oder Apps zu installieren, sind sie versierter als der durchschnittliche Erwachsene. Die wenigsten Eltern benutzen Portale wie Youtube oder Vimeo, Snapchat oder Musically, Web-Adressen, auf die Kinder regelmäßig zugreifen. Auch ständig neue Apps, die „hip“ sind, lassen uns Eltern staunen. Wie können wir unsere Kinder dazu erziehen, Medien verantwortungsvoll zu nutzen, vor allem wenn wir selbst auch teilweise damit überfordert sind?

An diesem Abend wurde klar: die Mediennutzung muss zum Alter und zur Reife des Kindes passen. Es gibt keine feste Formeln für entwicklungsbezogene Erziehungshilfen. Einige sehr gute Empfehlungen finden Sie unter www.medienratgeber-fuer-eltern.de.

Wichtig ist zu erkennen, wo die Gefahren lauern:

Mangel an Sozialkompetenz

Kinder die sehr lange am PC spielen, können die Verbindung zur Realität verlieren und sich in der Rolle der Protagonisten des Spiels verlieren. Hier bekommen sie Bestätigung, Lob und Selbstwertgefühl. Dadurch wird das Gehirn ständig „beglückt“ mit Hormonen wie Dopamin, die ähnlich wie Kokain, Kinder in ein ständiges Glücks- und sogar eine Gefühl von Macht versetzen. Dies ist auch durch neueste Ergebnisse der Hirnforschung und die Möglichkeiten bildgebender Verfahren erwiesen.

Bei zu häufigem Konsum kann es passieren, dass die Kinder sich von der Realität mehr und mehr abwenden und das Erlernen von Sozialkompetenzen versäumen.

Kinder in der Pubertät brauchen Bestätigung und Bestärkung. Wenn diese nicht vom Umfeld bekommen, ist die Anfälligkeit für Abhängigkeiten und Suchterkrankungen extrem hoch.

Bindungsunfähigkeit

Kinder werden oft sehr früh mit Bildern konfrontiert, die sie seelisch verletzen. Webseiten mit stark sexuellen oder sogar pornographischen Inhalten lassen die Schamgrenze der Kinder schnell sinken, so dass diese ein falsches Bild von einer gesunden Sexualität und Partnerschaft bekommen. Nicht selten führt dies zur Bindungsunfähigkeit im Erwachsenenalter.

Unruhe/ Konzentrationmangel

Kinder und Jugendliche haben das Gefühl immer „Online“ sein zu müssen, um nichts zu verpassen. „Freunde“ müssen immer und überall erreichbar sein. Das lässt den Kindern und Jugendlichen keinen Raum mehr für Ruhe oder Muße.

Wichtig ist es daher, immer wieder das Gespräch mit den Kindern zu suchen. Bei interaktiven Computerspielen kann es hilfreich sein, nach der Länge einer Spieleinheit zu fragen und das Spielende im Konsens festzulegen. Sie ständig zu kontrollieren oder gar die Handys regelmäßig zu überwachen, kann das Vertrauensverhältnis zwischen Kindern und Eltern allerdings beschädigen. Besser ist es, über die Mediennutzung zu reden, klare Regeln zu setzen und Raum zu geben für das Erlernen von Verantwortung, Kreativität und Freude an der Nutzung von Medien.

 

Wichtige Internetadressen und Links:

Medienratgeber für Eltern

Dieser Ratgeber wurde von MEDIA PROTECT e.V. in Zusammenarbeit mit return entwickelt und bietet hilfreiche Tipps für den Alltag. Das Elternberatungsprojekt des Vereins ist ebenfalls bemerkenswert und wird wissenschaftlich begleitet:

Hier auch Bestellung des Ratgebers:
Praxisbuch zur Prävention von Internet-Pornographie-Konsum.

November: Vortrag „Der Wolf im Schafspelz“ von Monica Mertens

Foto: © wertevollwachsen

Frau Mertens hielt einen spannenden, sehr informativen und anschaulichen Vortrag über eine neuartige Gefahrenlage für Jugendliche, und hier vor allem für junge Mädchen ab 13 Jahren. Hier wird vor allem das Internet als Medium genutzt, um Erstkontakt zu potentiellen Opfern zu bekommen, die später unter Anwendung von Gewalt und Erpressung zu kriminellen Handlungen gezwungen werden.

Das Vorgehen folgt offenbar oft einem Muster. Junge Mädchen werden gezielt aus den „sozialen Netzwerken“ wie Facebook, Instagram, Snapchat etc. je nach Alter, Aussehen und emotionalem Zustand ausgesucht. Dann werden mit Profilen von jungen Männern Fotos geliked und mit Schmeicheleien kommentiert, um die Aufmerksamkeit der Mädchen zu bekommen.

Pubertierende Kinder sind oft naiv und sehr anfällig für Komplimente. Sie sind sich der Gefahren der Erwiderung solcher Kontakte meist nicht bewusst. Daher „beißen“ in dieser Phase viele potentielle Opfer an.

Es kann aber durchaus sein, dass auf der anderen Seite eine kriminelle Organisation von „Loverboys“ sitzt, die nun gezielt jemanden aussucht, der dem Mädchen nachgeht, sich mit ihm trifft, es umgarnt und abhängig von ihm macht. Hat ein Treffen erst einmal stattgefunden, ist das Mädchen in akuter Gefahr. Durch ein Wechselbad an Zuneigung und Geschenken auf der einen und Verachtung und Gewalt auf der anderen Seite wird die Abhängigkeit erhöht und die Hemmschwelle systematisch gesenkt. Sobald es zu ersten sexuellen Kontakten gekommen ist, sind die Mädchen meist erpressbar. Mit der Drohung, den Eltern davon zu erzählen, bringt der „Loverboy“ das Mädchen dazu, ihm „Gefälligkeiten“ zu erweisen. Oft braucht es dann Jahre, bis die Mädchen wieder aus dem Sumpf der Kriminalität mit Prostitution und Drogenhandel heraus zu kommen. Die Schäden bleiben in jedem Fall für das ganze Leben.

Was können Eltern tun?

Kinder im Teenageralter brauchen eine erhöhte Zuwendung und es ist wichtig, gerade auch in diesem Alter, die Kommunikation mit ihnen aufrecht zu erhalten. Durch negative Reaktionen und Abwehrhaltungen der Kinder dürfen sich Eltern in der Zeit der Pubertät nicht einschüchtern und nicht bremsen lassen. Standpunkte und Meinungen sollten jederzeit klar vertreten werden. Das bleibt mit Sicherheit auch bei pubertierenden Kindern nicht ohne Wirkung. Eine Aufklärung der Mädchen und Jungen über die Gefahren des Lebens muss von den Eltern geleistet werden. Auch Kinder müssen lernen, Meinungen und Standpunkte zu entwickeln und klar dazu zu stehen. Dabei ist es auch wichtig, das „Nein-Sagen“ zu lernen. Darauf aufbauend empfiehlt Frau Mertens den Eltern und den Kindern, für eine erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht bei der Nutzung des Internets und der Sozialen Netzwerke zu sorgen. Auffälligkeiten, die auf akute Gefährdungen von Kindern hinweisen, sollten sehr ernst genommen werden und gegebenenfalls zur polizeilichen Anzeige gebracht werden.

 

 

Aktuell in der Presse:

RP Loverboys 18.11

Quelle: Rheinische Post 18.11.2015

TOP zum Thema November: Flüchtlinge

Wer die Bilder von den Flüchtlingsströmen sieht, die täglich in die EU und insbesondere nach Deutschland drängen, dem ist klar, dass wir mit diesem Ansturm vor ganz neuen Aufgaben stehen.

Es sind nicht nur organisatorische und finanzielle Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben, sondern mehr noch kulturelle…

Die schiere Menge der Asylsuchenden aus einem völlig anderen Kulturkreis, die unser Land zu überschwemmen droht lässt selbst wohlmeinende, hilfsbereite Bürger zweifeln, ob das ohne Auseinandersetzungen funktionieren kann.

Und so kommt auf einmal wieder eine Frage in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion, die lange Zeit umgangen wurde, weil sie schwierig zu beantworten und heikel ist, nämlich die Frage nach einer gemeinsamen Leitkultur! Gibt es die überhaupt in Deutschland und wenn ja, was ist darin zwingend enthalten?

Was darunter im Ganzen zu verstehen ist, wird nicht leicht zu fassen sein und allein die innerpolitischen Auseinandersetzungen bezüglich der richtigen Familienpolitik, der Geschlechtergleichheit und vieler anderer Themen lässt vermuten, dass diese Frage höchst unterschiedlich beantwortet werden kann, je nach dem aus welchem Blickwinkel man das tut. Diese Debatte wird auf politischer Ebene geführt werden müssen.

Was aber kann man sofort tun und welche Werte können wir unseren Kindern mitgeben ohne irgendwelche Ideologien zu bedienen?

Wir meinen, dass es universelle menschliche Werte gibt, die sozusagen den Grundmodus einer Gesellschaft bestimmen müssen und dies auch tun in unserem Land. Darauf dürfen wir stolz sein und das ist ja auch mit der Grund, warum wir in dieser Krise stehen und zum Traumziel vieler Verzweifelter werden. Dieser kleinste gemeinsame Nenner, ausgedrückt im §1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar…„ ist für uns selbstverständlich, in vielen Ländern dieser Welt leider jedoch nicht.

Über Jahrzehnte lebt Deutschland in einem Raum des Friedens, der Sicherheit und der Freiheit. Jetzt ist die Zeit da, in der wir wichtige Werte wie Solidarität, Offenheit, Respekt und Nächstenliebe in die Praxis umsetzen müssen. Das sind Werte, die uns in der Vergangenheit stark gemacht haben, und Deutschland zu einem der stabilsten und sogar wohlhabendsten Länder der Welt gemacht haben. Diese Krise ist eine Chance, uns mit Mut und Zuversicht zu vereinen und uns offen zu zeigen für die vielen Familien, die zu uns kommen. Denn nur wenn wir einen Raum für die Begegnung finden, kann die Situation entschärft werden.

Dies dürfen und müssen wir aufzeigen, wenn fremde Kinder zu uns kommen und unterrichtet werden, dies müssen aber auch unsere Kinder schätzen, bewahren und teilen lernen als ein Geschenk, das ihnen als Bürger in einem freiheitlich demokratischen Staat sozusagen in die Krippe gelegt wurde.

Unsere Buchreihe für 6-18 jährige lehrt genau diese Werte und als wir uns entschieden haben im Januar 2014 mit der Übersetzung von Band 5 für 10-11 jährige zu beginnen, ahnten wir nicht im Entferntesten, dass genau dieser Band „Einheit in Vielfalt“ eineinhalb Jahre später eine solche Aktualität haben würde. Aber sehen Sie selbst… (Weiterlesen…)

 

Ihr Team von wertevollwachsen e.V.

September: Vorstellungsabend unseres neu gegründeten Vereins

In informeller und privater Runde hat sich am 10. Juni 2015 wertevollwachsen e.V. in Meerbusch vorgestellt.

An diesem kleinen Informationsabend hatten die Eltern die Möglichkeit, unsere Bücherreihe kennenzulernen und den Vortrag von Maria Elisabeth Schmidt „Unsere Kinder brauchen uns!“ zu hören. Frau Schmidt, eine anerkannte Neufeld-Kursleiterin, hat über die Wichtigkeit der Bindungstheorie referiert und über Ihre entscheidende Wirkung in Bezug auf den Erziehungsauftrag der Eltern.