12017Feb

Unersetzliche Eltern

Bei der Vorstellung der Expertise „Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien“ in Berlin am 17.1.2017 forderte der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, J. W. Rörig, die Politik dringlich auf, endlich die sozialen Netzwerke dazu zu verpflichten, geschützte Nutzungsräume für Kinder und Jugendliche zu schaffen, in denen diese sicher seien vor den Nachstellungen pädophiler Erwachsener. Zusätzlich sollten sie Beratungs- und Hilfsangebote gut sichtbar auf ihren Seiten einstellen und künftig eingehende Hinweise an die Strafverfolgungsbehörden weiterleiten. Die Psychologin und Geschäftsführerin des Vereins „Innocence in Danger“ , erklärte sogar, mit der geplanten digitalen Bildungsstrategie für die Schulen „steure man sehenden Auges in die Katastrophe“, wenn Kinder und Jugendliche im Internet nicht besser geschützt würden. Was steckt hinter diesem dramatischen Weckruf an die Politik?

Allein in Deutschland haben etwa 728 000 einschlägig interessierte Erwachsene Onlinekontakte zu Kindern. Sie geben sich häufig als Gleichaltrige aus, locken mit Geschenken und konfrontieren ihre Opfer bewusst mit pornographischen Abbildungen, um sie so für reale Begegnungen mit sexuellen Kontakten vorzubereiten. Wie groß die Gefahr digitaler Kontaktaufnahme ist, zeigen die folgenden Zahlen: schon 39 % der sechs- bis sieben Jährigen, 76% der der acht bis neun Jährigen und 94% der zehn bis elfjährigen Kinder sind regelmäßig online. Neben der Gefahr sexuellen Missbrauchs droht natürlich auch der freie Zugang zu „normaler“ Pornographie, die das Innenleben von Kindern und Jugendlichen ver-, ja ihre Liebesfähigkeit zerstören kann. Was können Eltern dagegen tun? Nicht rigorose Verbote oder das Verteufeln digitaler Medien seien hilfreich. Die Fachstelle Return-Mediensucht (www.return-mediensucht.de) und die Initiative Safer-Surfen (www.saferinternet.at, bzw. www.safersurfing.eu/shop) geben Kindern und Eltern gute Tipps und Tricks für eine sichere Internetnutzung . Der beste Schutz aber für Kinder und Jugendliche, so die Experten, die die oben genannte Expertise vorstellten, sind Eltern, die ihren Kindern zuhören und sich Zeit für sie nehmen. Ich füge hinzu: Und Eltern, die ihren Kindern von klein auf die Schönheit des Zusammenhangs von Liebe, Treue und Sexualität erklären und vorleben.